Das Artenhilfsprogramm Feuersalamander

Seit 2021 machen sich drei Naturschutzverbände in einem beispiellosen gemeinsamen Hilfsprojekt für den Feuersalamander stark. Es umfasst unter anderem konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums, die Möglichkeit Sichtungen des Feuersalamanders zu melden, sowie eine Machbarkeitsstudie für die Erhaltungszucht: So soll die Zukunft des Feuersalamanders in Bayern gesichert werden.

Helfer verbessern im Wald den Lebensraum für den Feuersalamander, etwa durch das Anlegen von Gumpen (Foto: Dr. Jacqueline Kuhn)

Verbandsübergreifendes Schutzprojekt

Feuersalamander sind wie alle Amphibienarten in Bayern von vielen Faktoren bedroht, angefangen beim Verlust der Lebensräume, über die Landwirtschaft bis hin zum Klimawandel. Der Feuersalamander ist in den vergangenen Jahren jedoch verstärkt in den Fokus gerückt, weil der eingeschleppte Hautpilz Bsal in kurzer Zeit den gesamten Bestand vernichten könnte. Über das gemeinsame Artenhilfsprogramm (AHP) Feuersalamander setzen sich BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN), Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV) und der Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz in Bayern e.V. (LARS) mit vielen verschiedenen Maßnahmen für die faszinierende Tierart ein.

Maßnahmen helfen allen Amphibien

  • Haupt- und ehrenamtliche Artenschützer*innen zählen in acht Schwerpunktgebieten die Larven des Feuersalamanders. So soll der derzeitige Zustand der Populationen ermittelt werden um Bestandseinbrüche frühzeitig zu erkennen.
  • Proben von Hautabstrichen werden auf Befall durch den Hautpilz Bsal hin untersucht. Die Krankheit führt in den meisten Fällen zum Tod der Tiere und hat das Potenzial das gesamte Feuersalamandervorkommen in Bayern auszurotten.
  • Durch konkrete Maßnahmen werden die Lebensräume des Feuersalamanders optimiert. Davon profitieren auch andere Amphibien sowie weitere Tier- und Pflanzenarten: Der Feuersalamander gilt als Zeigerart, seine Vorkommen geben Hinweise darauf, wie es generell um den Zustand eines Ökosystems bestellt ist.

Das Artenhilfsprogramm Feuersalamander läuft von März 2021 bis August 2024, es wird vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert. Partner sind insbesondere die Universität Trier, die Organisation Citizen Conservation, der Verein Frogs & Friends e.V. und der Tiergarten Nürnberg.

Drei Helfer stellen ein Warnschild für die Salamanderwanderung auf (Foto: Katharina Koppetsch)

AHP Feuersalamander mit breit angelegter Schutzstrategie


Laichgewässer verbessern

Wir müssen in erster Linie dafür sorgen, dass die Lebensräume des Feuersalamanders bewahrt und, wenn nötig, verbessert werden. Gemeinsam wollen wir zum Beispiel erreichen, dass intakte Quellen und Quellbäche erhalten bleiben. Sie müssen zum Beispiel vor der Ablagerung von Gartenabfällen oder Holzernteresten bei Waldarbeiten verschont bleiben. Auch Nährstoffe und Pestizide aus der Landwirtschaft haben in Quellen nichts zu suchen. Wo der Oberlauf von Bächen verrohrt oder verbaut ist, sollte dieser nach Möglichkeit renaturiert werden.

Überlauf einer gefassten Quelle (Foto: Eva Schubert)

Erprobung von Salamander-Gumpen

Wo Quellbäche frühzeitig austrocknen, können kleine Vertiefungen und Aufstauungen, sogenannte Gumpen, dafür sorgen, dass die Larven bis zur Metamorphose überleben. Mit unserem Projekt erproben wir, ob und wie solche Gumpen helfen. Wichtig ist dabei, dass sie den Fließcharakter der Quellbäche nicht stören.

Ein Bagger legt Gumpen neben einem Waldweg an (Foto: Sabine Pröls)

Naturnahe Wälder fördern

Wir unterstützen die Forstbehörden dabei, Fichtenmonokulturen entlang der Bäche durch standortgerechte, artenreiche Laub- oder Mischwälder zu ersetzen. So versauert das Wasser nicht und das Herbstlaub schafft in den Bächen Lebensraum für Wasserinsekten und Bachflohkrebse, die Nahrung der Salamanderlarven. Strukturreiche Wälder sind auch wichtig als Jahreslebensraum der Feuersalamander. Hier können sie sich unter morschen Ästen verstecken und finden in Moospolstern ausreichend Nahrung.

Eine düstere Fichtenmonokultur: Feuersalamander brauchen naturnahe Laubwälder als Lebensraum (Foto: BN/LBV)

Optimierung der Winterquartiere

Immer wieder gibt es Berichte über sehr individuenreiche Winterquartiere, zum Beispiel in ungenutzten Wasserbehältern oder alten Brunnen. Andererseits sind Betonschächte aber auch tödliche Fallen für Feuersalamander. Wir wollen solche Strukturen gezielt erfassen und sie für die Feuersalamander optimieren, indem wir zum Beispiel Ausstiegshilfen schaffen.

Eine Helferin verbessert den Zugang für Feuersalamander an einem Schacht: Einerseits brauchen die Tiere Winterquartiere, andererseits dürfen diese nicht zur tödlichen Falle werden (Foto: BN/LBV)

Schutz vor dem "Straßentod"

Auf Straßen zwischen Überwinterungsquartier und Fortpflanzungsgewässer werden häufig Feuersalamander überfahren. Weil sie auf Fließgewässer angewiesen sind, werden sie von den klassischen Krötenschutzaktionen nicht erfasst. Im Rahmen unseres Projektes erfassen wir bayernweit solche problematischen Straßenquerungen und suchen mit den Behörden nach individuellen Lösungen.

Eine Straßenquerungshilfe für Feuersalamander: der Salamandertunnel (Foto: BN/LBV)

Salamander-Monitoring

Um die Größe von Populationen zu beurteilen, zählt man am einfachsten die Larven in den Bächen. Das kann auch in der Nacht mit Hilfe einer Taschenlampe geschehen. Die Larven sind einfacher zu finden als die versteckt an Land lebenden Feuersalamander. Wir haben in allen Regionen repräsentative Bäche ausgewählt und zählen dort vier Jahre lang die Salamanderlarven. Aber auch die erwachsenen Tiere werden von uns aufgesucht, denn wir wollen mehr darüber erfahren, wo sich die Tiere an Land aufhalten. Auch machen wir Hautabstriche und lassen sie auf den Bsal-Pilz untersuchen. Nur wenn wir die Verbreitung des Pilzes kennen, können wir in Bayern geeignete Vorsorgemaßnahmen treffen.

Ein Helfer untersucht in einem typischen Salamanderlebensraum, ob und wie viele Tiere er beherbergt (Foto: BN/LBV)

Öffentlichkeitsarbeit und Citizen Science

Wir möchten den Feuersalamander als Sympathieträger auch nutzen, um bei Behörden, Waldbesitzern und in der Öffentlichkeit für seinen Schutz und den seines Lebensraumes zu werben. Wo das sinnvoll ist, informieren wir Wanderer mit Infotafeln oder Flyern.


Zwischenstand aus dem Artenhilfsprogramm

Mitte 2023 wurde Zwischenbilanz gezogen, die gute Nachricht: Der Hautpilz Bsal hat sich in den vergangenen zwei Jahren nicht weiter ausgebreitet. Dazu wurden Feuersalamander-Larven in genau festgelegten, repräsentativen Bachabschnitten gezählt und Hautabstriche von erwachsenen Feuersalamandern untersucht. Nach rund 900 Beprobungen stellt Malvina Hoppe, Projektmanagerin beim LBV, fest: "Wir freuen uns, dass wir in den untersuchten Regionen bisher keinen neuen Ausbruchsort von Bsal feststellen konnten."

Bis zum Projektende sollen rund 1300 weitere Schwanzlurche untersucht werden, darunter auch Bergmolche. Letztere sterben nicht zwangsläufig an dem Hautpilz und können ihn deshalb übertragen: "Deutschland gilt als Bsal-Hotspot mit über 50 Nachweisen, unter anderem leider auch im bayerischen Landkreis Unterallgäu und im Steigerwald", erläutert Horst Schwemmer, Projektmanager beim BUND Naturschutz.

Im Rahmen des AHP Feuersalamander wurden bereits Hinweisschilder aufgehängt, Gumpen angelegt und Quellfassungen zurückgebaut. So können die Quellbäche wieder natürlich fließen und den Larven des Feuersalamanders als Lebensraum dienen, sowie weiteren Tier- und Pflanzenarten zu nützen, wie Christian Köbele vom LARS erklärt: "Das Projekt ist auch wichtig, um mit den renaturierten Quellen ein sehr sensibles Ökosystem mit einem ganz eigenen Spektrum an hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten wiederherzustellen."

Zwei Helfer beim Anlegen neuer Gumpen für den Feuersalamander (Foto: BN/LBV)

Jetzt aktiv mitmachen!

Auch als naturverbundene Laien können Sie an unserem Projekt mitwirken, etwa bei der Anlage von Gumpen. Hierzu ist allerdings die Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde wichtig.

Oder Sie helfen durch die 

Meldung von beobachteten Feuersalamandern

Kontaktieren Sie uns unter info@feuersalamander-bayern.de !

Feuersalamanderzucht als letztes Mittel zum Erhalt der Art?

Amphibien sind die Wirbeltierklasse, deren Arten global am meisten bedroht sind. Forschungen, die ein Aussterben verhindern können, sind daher nicht nur für eine untersuchte Amphibienart, sondern auch ganz allgemein von hoher Bedeutung. Der Pilz Bsal birgt die Gefahr, dass die Feuersalamanderpopulationen in Deutschland bzw. Bayern in kurzer Zeit erlöschen könnten. Bei einer derart umfassenden Gefahr, die sehr kurzfristig wirken kann, müssen daher womöglich Lösungen bedacht werden, die über die Verbesserung der Lebensbedingungen hinausgehen. Im Rahmen des Artenhilfsprogramms Feuersalamander wurde daher auch erforscht, inwieweit Zucht und Auswilderung zu Stärkung und Erhalt der Populationen beitragen können. Dabei stellt diese sogenannte Ex-situ-Maßnahme stets das letzte Mittel dar, um das (lokale) Aussterben einer Art zu verhindern. Die Machbarkeitsstudie zur Ex-situ-Erhaltungszucht des Feuersalamanders (Salamandra salamandra) – das Beispiel Bayern von Frogs & Friends e.V. kam zu dem positiven Ergebnis, dass

  • Feuersalamander ex situ langfristig und selbsterhaltend erhalten werden können, sowie
  • die jeweiligen Vor- und Nachteile, bzw. Risiken unterschiedlicher Ex-situ-Haltungsmöglichkeiten.

Bsal wird sich sehr wahrscheinlich weiter ausbreiten. Daher wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt um eine Zucht vorzubereiten und aufzubauen, denn noch ist die genetische Vielfalt für den Erhalt gesunder Populationen vorhanden.

Feuersalamander in der Hersbrucker Alb

Die Projektmanager Malvina Hoppe vom LBV und Horst Schwemmer vom BN stellen das Artenhilfsprogramm vor: Der Feuersalamander in freier Wildbahn!